Herzogin von Kurland

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Anna Dorothea Herzogin von Kurland

aus dem Buch: "Drei Sommer in Löbichau 1819 - 21" von Emilie von Binzer, 1877. Emilie von Binzer, die Pflegetochter der Herzogin Wilhelmine von Sagan. Wilhelmine von Sagan ist die älteste Tochter der Herzogin Anna Dorothea von Kurland.

Anna Dorothea ward am 03. Februar 1761 geboren, sie gehört einem der angesehensten kurischen Geschlechter an. Ehe die Fürstentümer Kurland und Semgallen zu einem Herzogtum vereinigt wurden, standen Sie unter dem deutschen Orden, der Sie durch Heermeister regieren ließ. Einer dieser Heermeister, Konrad von Medem, erbaute im Jahre 1272 Mietau und war ein Ahnherr der Herzogin von Kurland. Sie heiratete als Sie neunzehn Jahre alt war und hat bis zu Ihrem Tode, der in ihrem 61. Jahre erfolgte, einen so ungewöhnlichen Liebreiz ehalten, dass Sie noch immer als eine sehr hübsche Frau gelten konnte.

Herzog Peter, Ihr Mann, hat seinen Töchtern erzählt, dass Dorothea Medem zwar immer ein sehr hübsches Mädchen gewesen sei -  er hatte Sie als siebenjähriges Kind schon gekannt - dass sich aber Ihre Schönheit in den ersten Jahren seiner Ehe mit Ihr in hohem Maße entfaltet habe. Doch war Sie noch mehr durch die aus Ihrem innersten Wesen hervorgegangene Anmut als durch regelmäßige Schönheit ausgezeichnet. Angelika Kaufmann hat Sie um das Jahr 1785, während Ihres Aufenthaltes in Rom, gemalt. Denk man sich dieses Bild verkörpert mit dem Reiz des Lebens und der Bewegung geschmückt, so bereift man wohl, daß Sie alle Herzen gewann. Herzensgüte, Milde und Sanftmut waren die Grundzüge Ihres Charakters. Sie hatte sich einer Popularität wie keine Ihrer Töchter zu erfreuen; diese waren hinreißend, wenn Sie wollten, aber die Mutter wollte immer. Sie versagte sich den Ansprüchen des Geringsten nicht, war eben so bereit auf ihren Balkon zu treten, wenn die Bauern Sie zu begrüßen wünschten, als in ihrem Hause gekrönte Häupter zu empfangen, und zeigte sich beiden gegenüber ganz dieselbe. Sie liebte es durch Ehrenpforten zu schreiten und bedruckte Bänder von weißbekleideten Mädchen in Emfpang zu nehmen, weil Sie wußte, daß Sie dadurch die Veranstalter dieser Feste erfreute, vieleicht wußte Sie auch wie liebenswürdig und würdevoll Sie dabei aussah. Ihre drei ältesten Töchter wären eitel geworden, wenn man Sie unaufhörlich Titania, Elfen und Feenkönigin genannt hätte; Sie nahm es hin und ertrug die Langeweile dieser Huldigungen um der guten Meinung willen, aus der Sie hervorgingen.Wenn Sie mehr wissen wollen, buchen Sie doch eine Führung in Tannenfeld / Löbicha. Das ganze Jahr über möglich.