Loebichau

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Zuletzt aktualisiert (Montag, 13 Juni 2011 08:16)Geschrieben von: AdministratorDonnerstag, 01 Januar 1970 02:00

Der alte Ortsname "Luboch" taucht erstmals im Jahre 1293 (1274 Kayna) auf. Seine Identitaet verweist auf slawischen Ursprungs. Im Mittelpunkt des Ortes befindet sich das Schloss. Historische Quellen erwaehnen als erstes Gebaeude das Wasserschloss, welches inmitten eines Sumpfgelaendes errichtet worden war. Ihm folgten spaeter das Rittergut und eine bedeutende Schaeferei. Im Jahre 1796 erwirbt die Herzogin Anna Dorothea von Kurland "Loebichau". Damit setzt erstmals eine rege Bautaetigkeit ein. Das Herrenschloss im klassischen Stil wird auf Pfaehlen errichtet und gibt so dem Bauwerk ein festes Fundament im Sumpfgebiet. Der englische Garten und der Loebichauer Hain werden angelegt.

Schloss Tannenfeld mit seiner Parkanlage wird unmittelbar in diesem Zusammenhang mit errichtet.
Die Herzogin holt in den Jahren einflussreiche Poeten, Dichter, Geistliche und Geistesgroessen nach Loebichau. Einen Hoehepunkt erreicht das Geistesschaffen in den Jahren von 1819 bis 1821, der als "Musenhof zu Loebichau" in die Geschichte eingeht.
Mit der Gruendung des Landes Thueringen im Jahre 1920,welches sich an die Grenzen des alten Thueringer Reiches von 531 anlehnte, wurde unser Gebiet Teil des Thueringer Landes. 1946 wird aus dem ehemaligen Schloss Loebichau eine Pflegeanstalt fuer beduerftige Menschen.
1968 zieht in die Gemeinde Loebichau, ein bis dahin unbekannter Industriezweig, der Uranbergbau ein. Mit der Errichtung der Schachtes Beerwalde und Drosen wird die bis dahin von der Landwirtschaft gepraegte Landschaft auf den Kopf gestellt. Der "Rote Turm" in Loebichau wird zum Wahrzeichen einer Zeit der wirtschaftlichen Umgestaltung in der Gemeinde. 1991 wird die Foerderung des Uranerzes eingestellt. Eine der groessten Sanierungsaufgaben und -ziele im wiedervereinigten Deutschland, der des Uranbergbaues, beginnt. Seinen Hoehepunkt hat er mit der Repraesentation zur Weltausstellung der "Expo 2000" in unserem Gebiet erfahren. Seit 1997 ist der Sitz der Gemeinde Loebichau im historischen Schloss untergebracht.

 
 
 
 
Wappen der ehemaligen Besitzer von Loebichau
Frauenschule Loebichau

Das Rittergut Loebichau mit seinen beiden Schloessern, den Park und einem Hain gehoerte zur Zeit der Gruendung der Frauenschule zum Herzogtum Sachsen-Altenburg. Im alten Schloss wurden 1908 das Evangelische Johanna-Luise-Damenstift, im neuem Schloss nach einem Umbau eine wirtschaftliche Frauenschule fuer 36 Schuelerinnen eingerichtet. Leiterin und Lehrerinnen waren in Reifensteiner Schulen ausgebildet. Da die Nachfrage sehr gross war, wurde im Laufe der Jahre die Aufnahme von Schuelerinnen auf ueber 40 erhoeht. Wie andere Frauenschulen auch, erlebte die Schule Loebichau direkt nach Kriegsbeginn eine grosse Fluktuation von Schuelerinnen. Im Laufe des Jahres 1915 gingen dann vermehrte Anmeldungen ein, und der Unterricht konnte vorerst unbeeintraechtigt fortgesetzt werden. Obwohl die schwierigen Kriegs- und auch Nachkriegsjahre Ueberstanden wurden, verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhaeltnisse der Schule in der zweiten Haelfte der zwanziger Jahre. Die Frauenschule reagierte mit der Absicht, die Betriebe auszubauen sowie staerker auf Erwerb umzustellen und versuchte, neue Ausbildungsangebote zu entwickeln. Da die Schuelerinnenzahlen jedoch trotz umfangreicher Werbeaktionen weiterhin gering blieben und Jahr fuer Jahr eine Defizit , das von der Deutschen Adelsgenossenschaft ausgeglichen werden musste , wurde die Schliessung zum 01. Oktober 1930 bekannt gegeben.
Im neuen Schloss entstand anschliessend ein Familien- und Damenheim. Nach 1945 wurde das Schloss als Kreisaltersheim des Landkreises Gera, nach 1951 des Landekreises Schmoelln und des Landkreises Altenburger Land genutzt.

Ausbildungsangebote:
Maidenjahr, ab 1926 als Frauenlehrjahr, Lehrlinsjahr und Hausmaidenjahr, Hauswirtschaftliche Lehrlinge , 1927 Anerkennung als Lehrwirtschaft fuer Gartenbau, 1928 als Mustergefluegelhof, Sonderkurse in Hauswirtschaft, Gartenbau und Kleintierzucht.

Maidennadel: Die Nadel mit der Form einer Sichel ist als Erinnerung an Luise von Tuempling, geborene von Boyen gestaltet, die 1907 Schloss und Gut Loebichau der Deutschen Adelsgenossenschaft schenkte, um darin eine wirtschaftliche Frauenschule einrichten zu koennen. Die Sichel ist dem Tuemplingschen Familienwappen entnommen. *


*) Frauenschulen auf dem Lande ( Ortrud W.-Heil) - Schriftenreihe des Archivs der deutschen Frauenbewegung Band 11

Luise von Tuempling letzte Besitzerin von Schloss Loebichau. Weihnachten 1903 feierte sie in Rom unter einem Thalsteiner Tannenbaum. Auf Sizilien ging ihr eine andere Welt auf.Schon damals trug sie sich mit dem Gedanken, ihr Haus zu bestellen. Dazu gehoerte die Einleitung des Entschlusses, ihren eigenen Besitz der deutschen Adelsgenossenschaft zu schenken, behufs Begruendung des evangelischen adligen Damenstifts, das die Namen Johanna, (Herzogin von Acerenza), und Luise (Graefin Hohenthal-Koenigsbrueck, die 1845 verstorbene direkte Schwester ihrer Mutter ) traegt.
Die Ausfuehrung dieses Gedankens im Jahre 1907 erforderte viel Idealismus, viel Selbstverleugnung und Thatkraft.
Weitherzig, wie sie war, gab sie ihrer Zustimmung, dass die Adelsgenossenschaft ihrerseits in einem der beiden Schloesser von Loebichau eine Frauenschule einrichtete.

Am 10. August 1908 fand die feierliche Einweihung des Johanna-Luisen-Stiftes statt.